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Annas Welt

Selja Ahava: „Der Tag, an dem ein Wal durch London schwamm“. Aus dem Finnischen von Stefan Moster. Mare Buch, Hamburg; 224 Seiten, 20 Euro

I.

Man kann es sich ganz einfach machen und jetzt schreiben: „Der Roman ‚Der Tag, an dem ein Wal durch London schwamm“ von Selja Ahava erzählt von der Alzheimererkrankung einer gewissen Anna, die am Ende ihres Lebens angekommen in einem Altenheim wohnt und dort von Gott in Strümpfen besucht wird, der mit ihr einen letzten Spaziergang unternimmt“. Damit würde sich dieses Buch mühelos einreihen lassen in eine Flut anderer Romane, in denen deren Protagonisten an Alzheimer erkranken – zum Schrecken und Erschrecken ihrer Zeitgenossen, also auch uns. Denn wenn es etwas gibt, das uns derzeit so sehr in Panik und eben Schrecken versetzt, dann die Vorstellung, all dass, was wir ein Leben lang an Informationen, Erfahrungen und Eindrücken sammeln und für das wir mittlerweile eine hochtechnologische Speicherindustrie entwickelt haben, könnte sich am Ende in ein Wirrwarr von letzten, immer brüchiger werdenden Gedanken und dann Halbsätze und dann voneinander isoliert dastehenden Worten auflösen. Download fehlgeschlagen, sozusagen. Festplatte – leider leer. Keine Daten mehr lesbar; wirklich nicht. Und dafür haben wir all diesen Aufwand betrieben? Haben uns ständig geschult und gelernt und gelernt, damit wir auch das nächst neue Medium beherrschen, während früher (ach, ja, früher) ein Fotoalbum reichte, ein Diakasten, ein Stapel zusammengebundener Briefe und vielleicht das gute alte Tagebuch.

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Sperrmüll_Foto_klein

„Mann, war das ein geiler Sommer!“

Früher war nicht unbedingt alles besser. Aber früher gab es den Sperrmüll. Alle drei Monate stellte man seinen ausrangierten Krempel auf die Straße – und schaute, was die anderen dazupackten. Eine Erinnerung an ein rauschendes Fest im Sommer 1983. Ach Sperrmüll! War das damals wunderbar.… Weiterlesen

Dr. Johannes Wimmer

„Notaufnahme ist super!“

Ein Gespräch mit dem Mediziner Dr. Johannes Wimmer über seine drei-Minuten-Videos, Sex trotz künstlichem Hüftgelenk und einen österreichischen Bergbauern. Erstmal bin ich verwirrt: In der medizinischen Praxis sind Sie „Dr. Wimmer“, im Netz aber „Dr. Johannes“.Wie kommt’s? Die Idee für „Dr. Johannes“ kam, weil das… Weiterlesen