{"id":43,"date":"2014-02-04T16:18:31","date_gmt":"2014-02-04T14:18:31","guid":{"rendered":"http:\/\/keilbuero.de\/neu\/?p=43"},"modified":"2014-08-20T16:44:24","modified_gmt":"2014-08-20T14:44:24","slug":"verbrauchermarkt-frisst-geschichte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/keilbuero.de\/?p=43","title":{"rendered":"Verbrauchermarkt frisst Geschichte"},"content":{"rendered":"<p><b>Die s\u00fcdliche Altstadt von Bremerv\u00f6rde soll mit einem fensterlosen Verbrauchermarkt \u00fcberbaut werden. Noch steht dort ein Haus aus ehemals j\u00fcdischem Besitz, das eine B\u00fcrgerinitiative bewahren will<\/b><\/p>\n<p><span style=\"line-height: 1.5em;\">Wenn die Lehrerin Petra Fischer und der ehemalige Lehrer Klaus Volland durch die Innenstadt von Bremerv\u00f6rde schlendern, werden sie oft gegr\u00fc\u00dft. Mancher bleibt stehen und wechselt mit ihnen das eine und andere Wort. Andere erkennen sie zwar, gehen oder radeln aber schnell weiter. &#8222;Ich war hier lange so etwas wie der B\u00fcrgerschreck&#8220;, sagt Klaus Volland. Er klingt, als w\u00e4re es ihm nicht unrecht.<\/span><\/p>\n<p>Dass beide heute stadtbekannt sind, d\u00fcrfte daran liegen, dass sie sich mit der NS-Geschichte Bremerv\u00f6rdes besch\u00e4ftigten, als das noch als st\u00f6rend galt: Fischer hat einen Stadtrundgang zur j\u00fcdischen Geschichte der Stadt erarbeitet, der sich mittlerweile aber einiger Beliebtheit erfreut. Volland wiederum hat gegen viel Widerstand daf\u00fcr gesorgt, dass die Baracken des nahe gelegenen ehemaligen Kriegsgefangenenlagers Stalag Sandbostel nicht abgerissen wurden. Heute bilden sie das Fundament einer Forschungs- und Gedenkst\u00e4tte, auf die man in Bremerv\u00f6rde pl\u00f6tzlich nicht wenig stolz ist.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Von daher war es nur konsequent, dass bei beiden die Alarmglocken l\u00e4uteten, als bekannt wurde, dass im s\u00fcdlichen Teil der Bremerv\u00f6rder Innenstadt ein Haus abgerissen werden soll, um Platz f\u00fcr einen neuen Famila-Verbrauchermarkt zu schaffen: das Haus in der Bremer Stra\u00dfe mit der Hausnummer 14. Denn das um etwa 1840 erbaute Haus wurde 1909 von dem j\u00fcdischen Kaufmann Joseph Salomon erworben. Der betrieb nahe der Stadt Landwirtschaft und Viehzucht, hielt im Ersten Weltkrieg als Soldat f\u00fcrs Kaiserreich die Knochen hin.<\/p>\n<p>Doch das z\u00e4hlte sp\u00e4testens nicht mehr, als im 1932 Adolf Hitler in der Bremerv\u00f6rder Markthalle vor 20.000 Zuh\u00f6rern eine Rede hielt. Salomon verlor nach und nach all seinen Besitz, musste schlie\u00dflich auch das Haus in der Bremer Stra\u00dfe 14 weit unter Wert verkaufen. Er konnte mit seiner Familie in die USA entkommen, seinen beiden Schwestern gelingt dies nicht. An sie, aber auch an die anderen, insgesamt 41 Bremerv\u00f6rder Juden erinnert mittlerweile eine Gedenktafel am Rathaus &#8211; nicht aus st\u00e4dtischem Antrieb heraus, sondern weil Klaus Volland keine Ruhe geben wollte.<\/p>\n<p>Nun also soll das letzte Zeugnis der j\u00fcdischen Geschichte Bremerv\u00f6rdes verschwinden. Petra Fischer und Klaus Volland sind entschlossen, das zu verhindern. Anfangs standen sie mit ihrem Ansinnen keinesfalls allein. Denn als die Abrisspl\u00e4ne durchsickerten, residierte in dem Haus noch die Gastst\u00e4tte &#8222;Alt Bremerv\u00f6rde&#8220;, die sich in den letzten Jahren zu einem Treffpunkt gerade f\u00fcr junge Bremerv\u00f6rder entwickelt hatte. 3.000 Bremerv\u00f6rder B\u00fcrger unterschrieben einen Aufruf der frisch gegr\u00fcndeten B\u00fcrgerinitiative f\u00fcr den Erhalt des &#8222;Alt&#8220;.<\/p>\n<p>Stadt und Investor, die ostfriesische B\u00fcnting-Gruppe, boten daraufhin den Betreibern der Kneipe einen recht ordentlichen Ersatz zwei Stra\u00dfenecken weiter an. Nun residiert das &#8222;Alt&#8220; seit dem Sommer in einem putzneuen Geb\u00e4ude &#8211; und die B\u00fcrgerinitiative hatte \u00fcber Nacht ein entscheidendes Argument verloren: &#8222;Die Bev\u00f6lkerung ist abgesprungen, die Bev\u00f6lkerung geht lieber einkaufen&#8220;, sagt Klaus Volland und versucht, dabei nicht allzu grummelig zu klingen.<\/p>\n<p>&#8222;Ich bin damals davon ausgegangen, dass sich die B\u00fcrgerinitiative zur\u00fcckzieht, aber dem war mitnichten so&#8220;, sagt Kurt Koopmann, der Baurat der Stadt. Denn das Haus mit der Nummer 14, das nun mittlerweile leer stehend der Dinge harrt, ist auch ansonsten ein besonderes Objekt: Es ist ob seiner Fachwerk- und seiner Dachkonstruktion im sogenannten &#8222;Gestaltungsleitfaden zum Sanierungsprojekt Innenstadt S\u00fcd&#8220; aufgelistet und dort als &#8222;stadtbildpr\u00e4gend&#8220; definiert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Diesen Leitfaden hat sich die Stadt Bremerv\u00f6rde f\u00fcr ihren Altstadtkern selbst auferlegt. Und auch wenn er nicht die gesetzliche Kraft eines Bebauungsplanes hat, so k\u00f6nnen seine Vorgaben doch nicht einfach ignoriert werden. &#8222;Wir m\u00fcssen uns nun fragen, was ist wichtiger: der Erhalt dieses stadtbildpr\u00e4genden Geb\u00e4udes oder aber die Weiterentwicklung unserer s\u00fcdlichen Innenstadt?&#8220;, fragt Koopmann.<\/p>\n<p>Dabei stemmen sich Volland, Fischer und Co. keinesfalls per se gegen den Bau des Verbrauchermarktes: Sie m\u00f6chten nur das Salomon&#8217;sche Haus erhalten wissen und haben dazu den Vorschlag, den Markt baulich so zu gestalten, dass es stehen bleiben und etwa als Caf\u00e9 genutzt werden kann. Doch das Unternehmen B\u00fcnting winkt ab: Es brauche Platz, um seine Waren reibungslos anzuliefern. Und allein die Sanierung des ehemaligen &#8222;Alts&#8220; w\u00fcrde nach ersten Sch\u00e4tzungen rund 460.000 Euro kosten. &#8222;Erhalten kann man das Haus aus unserer Sicht nicht; da gibt es keinen Kompromiss, der f\u00fcr uns funktioniert&#8220;, sagt Matthias Adler, Expansionsleiter der B\u00fcnting-Gruppe. &#8222;Eine Sanierung des Hauses l\u00e4sst sich wirtschaftlich nicht darstellen&#8220;, so formuliert es Koopmann. Und die Geschichte des Hauses? Adler hat kein Problem damit, mittels einer Gedenktafel an die Familie Salomon zu erinnern: &#8222;Den historischen Wert des Geb\u00e4udes erkennen wir an.&#8220;<\/p>\n<p>Doch neben dem Geschichtsverlust st\u00f6rt sich die B\u00fcrgerinitiative auch an der Optik des geplanten Neubaus: eine massige, mit Blindfenstern durchsetzte Fassade, die sich k\u00fcnftig entlang dreier Stra\u00dfen ziehen wird. Koopmann hat da eine Idee, die beim zuk\u00fcnftigen Bauherren viel Anklang gefunden habe: Kunst soll die Fassadenfl\u00e4chen auflockern; Kontakte zur Kunsthochschule im benachbarten Ottersberg best\u00fcnden schon.<\/p>\n<p>Und so k\u00f6nnte das Prozedere folgenderma\u00dfen verlaufen: Anfang M\u00e4rz k\u00f6nnte der Stadtentwicklungsausschuss einen ge\u00e4nderten Auslegungsplan beschlie\u00dfen und das Haus w\u00e4re dann auf dem Papier schon mal \u00fcberplant. Im Lauf des April erfolgt die \u00f6ffentliche Auslegung: Die B\u00fcrger k\u00f6nnen die Baupl\u00e4ne einsehen. In der Ratssitzung am 22. Juli d\u00fcrfte dann eine Beschlussfassung vorliegen, die die Parteienvertreter fragt, ob dem Abriss zugestimmt werden soll oder auch nicht. Gleichzeitig w\u00fcrde der st\u00e4dtebauliche Leitfaden ge\u00e4ndert: Das Haus w\u00fcrde dann per Beschluss seine bisherige stadtbildpr\u00e4gende Funktion verlieren; einem Abriss st\u00e4nde nun nichts mehr im Wege.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>So steht die kleine B\u00fcrgerinitiative um Klaus Volland und Petra Fischer vor keiner beneidenswerten Aufgabe: Sie muss in den n\u00e4chsten sechs Monaten unter den Bremerv\u00f6rdern wieder Geh\u00f6r finden; sie muss besonders innerhalb der Parteien Mitstreiter gewinnen. CDU und SPD haben sich bislang zur\u00fcckhaltend ge\u00e4u\u00dfert. Auch vonseiten der Bremerv\u00f6rder Gr\u00fcnen ist derzeit kein allzu ausuferndes Engagement zu erkennen; die Partei Die Linke ist in der Stadt gar nicht erst vertreten. Lediglich die allein in Bremerv\u00f6rde beheimatete Formation &#8222;Pro BRV&#8220;, die seit der Kommunalwahl 2011 mit vier Sitzen im Stadtrat vertreten ist, signalisiert Kl\u00e4rungsbedarf und bietet der B\u00fcrgerinitiative ein Forum, um ihre Einw\u00e4nde vorzutragen.<\/p>\n<p>Die gewinnen vor dem bisherigen Umgang der Stadt mit ihrem baulichen Erbe an Gewicht. Die anfangs recht lose B\u00fcrgerformation bekam klare Strukturen, als in Bremerv\u00f6rde immer mehr Altbauten verschwanden und als sich besonders im Jahr 2000 der Streit um die historische Markthalle zuspitzte: Die sollte weichen, um Parkpl\u00e4tze zu schaffen. Heftige Proteste waren die Folge. Die B\u00fcrger standen schon bereit, um mit ihren Autos die Halle zu blockieren, als ihnen der B\u00fcrgermeister versprach, dass so schnell nichts passieren werde. Doch als sie am n\u00e4chsten Morgen aus ihren Betten stiegen, hatte der Abrissbagger ganze Arbeit getan. Petra Fischer sagt: &#8222;Was damals passiert ist, hat viele gepr\u00e4gt.&#8220;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><i>Erschienen in der Taz Nord, 30.12.2013<\/i><\/p>\n<p>Wenn die Lehrerin Petra Fischer und der ehemalige Lehrer Klaus Volland durch die Innenstadt von Bremerv\u00f6rde schlendern, werden sie oft gegr\u00fc\u00dft. Mancher bleibt stehen und wechselt mit ihnen das eine und andere Wort. Andere erkennen sie zwar, gehen oder radeln aber schnell weiter. &#8222;Ich war hier lange so etwas wie der B\u00fcrgerschreck&#8220;, sagt Klaus Volland. Er klingt, als w\u00e4re es ihm nicht unrecht.<\/p>\n<p>Dass beide heute stadtbekannt sind, d\u00fcrfte daran liegen, dass sie sich mit der NS-Geschichte Bremerv\u00f6rdes besch\u00e4ftigten, als das noch als st\u00f6rend galt: Fischer hat einen Stadtrundgang zur j\u00fcdischen Geschichte der Stadt erarbeitet, der sich mittlerweile aber einiger Beliebtheit erfreut. Volland wiederum hat gegen viel Widerstand daf\u00fcr gesorgt, dass die Baracken des nahe gelegenen ehemaligen Kriegsgefangenenlagers Stalag Sandbostel nicht abgerissen wurden. Heute bilden sie das Fundament einer Forschungs- und Gedenkst\u00e4tte, auf die man in Bremerv\u00f6rde pl\u00f6tzlich nicht wenig stolz ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Von daher war es nur konsequent, dass bei beiden die Alarmglocken l\u00e4uteten, als bekannt wurde, dass im s\u00fcdlichen Teil der Bremerv\u00f6rder Innenstadt ein Haus abgerissen werden soll, um Platz f\u00fcr einen neuen Famila-Verbrauchermarkt zu schaffen: das Haus in der Bremer Stra\u00dfe mit der Hausnummer 14. Denn das um etwa 1840 erbaute Haus wurde 1909 von dem j\u00fcdischen Kaufmann Joseph Salomon erworben. Der betrieb nahe der Stadt Landwirtschaft und Viehzucht, hielt im Ersten Weltkrieg als Soldat f\u00fcrs Kaiserreich die Knochen hin.<\/p>\n<p>Doch das z\u00e4hlte sp\u00e4testens nicht mehr, als im 1932 Adolf Hitler in der Bremerv\u00f6rder Markthalle vor 20.000 Zuh\u00f6rern eine Rede hielt. Salomon verlor nach und nach all seinen Besitz, musste schlie\u00dflich auch das Haus in der Bremer Stra\u00dfe 14 weit unter Wert verkaufen. Er konnte mit seiner Familie in die USA entkommen, seinen beiden Schwestern gelingt dies nicht. An sie, aber auch an die anderen, insgesamt 41 Bremerv\u00f6rder Juden erinnert mittlerweile eine Gedenktafel am Rathaus &#8211; nicht aus st\u00e4dtischem Antrieb heraus, sondern weil Klaus Volland keine Ruhe geben wollte.<\/p>\n<p>Nun also soll das letzte Zeugnis der j\u00fcdischen Geschichte Bremerv\u00f6rdes verschwinden. Petra Fischer und Klaus Volland sind entschlossen, das zu verhindern. Anfangs standen sie mit ihrem Ansinnen keinesfalls allein. Denn als die Abrisspl\u00e4ne durchsickerten, residierte in dem Haus noch die Gastst\u00e4tte &#8222;Alt Bremerv\u00f6rde&#8220;, die sich in den letzten Jahren zu einem Treffpunkt gerade f\u00fcr junge Bremerv\u00f6rder entwickelt hatte. 3.000 Bremerv\u00f6rder B\u00fcrger unterschrieben einen Aufruf der frisch gegr\u00fcndeten B\u00fcrgerinitiative f\u00fcr den Erhalt des &#8222;Alt&#8220;.<\/p>\n<p>Stadt und Investor, die ostfriesische B\u00fcnting-Gruppe, boten daraufhin den Betreibern der Kneipe einen recht ordentlichen Ersatz zwei Stra\u00dfenecken weiter an. Nun residiert das &#8222;Alt&#8220; seit dem Sommer in einem putzneuen Geb\u00e4ude &#8211; und die B\u00fcrgerinitiative hatte \u00fcber Nacht ein entscheidendes Argument verloren: &#8222;Die Bev\u00f6lkerung ist abgesprungen, die Bev\u00f6lkerung geht lieber einkaufen&#8220;, sagt Klaus Volland und versucht, dabei nicht allzu grummelig zu klingen.<\/p>\n<p>&#8222;Ich bin damals davon ausgegangen, dass sich die B\u00fcrgerinitiative zur\u00fcckzieht, aber dem war mitnichten so&#8220;, sagt Kurt Koopmann, der Baurat der Stadt. Denn das Haus mit der Nummer 14, das nun mittlerweile leer stehend der Dinge harrt, ist auch ansonsten ein besonderes Objekt: Es ist ob seiner Fachwerk- und seiner Dachkonstruktion im sogenannten &#8222;Gestaltungsleitfaden zum Sanierungsprojekt Innenstadt S\u00fcd&#8220; aufgelistet und dort als &#8222;stadtbildpr\u00e4gend&#8220; definiert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Diesen Leitfaden hat sich die Stadt Bremerv\u00f6rde f\u00fcr ihren Altstadtkern selbst auferlegt. Und auch wenn er nicht die gesetzliche Kraft eines Bebauungsplanes hat, so k\u00f6nnen seine Vorgaben doch nicht einfach ignoriert werden. &#8222;Wir m\u00fcssen uns nun fragen, was ist wichtiger: der Erhalt dieses stadtbildpr\u00e4genden Geb\u00e4udes oder aber die Weiterentwicklung unserer s\u00fcdlichen Innenstadt?&#8220;, fragt Koopmann.<\/p>\n<p>Dabei stemmen sich Volland, Fischer und Co. keinesfalls per se gegen den Bau des Verbrauchermarktes: Sie m\u00f6chten nur das Salomon&#8217;sche Haus erhalten wissen und haben dazu den Vorschlag, den Markt baulich so zu gestalten, dass es stehen bleiben und etwa als Caf\u00e9 genutzt werden kann. Doch das Unternehmen B\u00fcnting winkt ab: Es brauche Platz, um seine Waren reibungslos anzuliefern. Und allein die Sanierung des ehemaligen &#8222;Alts&#8220; w\u00fcrde nach ersten Sch\u00e4tzungen rund 460.000 Euro kosten. &#8222;Erhalten kann man das Haus aus unserer Sicht nicht; da gibt es keinen Kompromiss, der f\u00fcr uns funktioniert&#8220;, sagt Matthias Adler, Expansionsleiter der B\u00fcnting-Gruppe. &#8222;Eine Sanierung des Hauses l\u00e4sst sich wirtschaftlich nicht darstellen&#8220;, so formuliert es Koopmann. Und die Geschichte des Hauses? Adler hat kein Problem damit, mittels einer Gedenktafel an die Familie Salomon zu erinnern: &#8222;Den historischen Wert des Geb\u00e4udes erkennen wir an.&#8220;<\/p>\n<p>Doch neben dem Geschichtsverlust st\u00f6rt sich die B\u00fcrgerinitiative auch an der Optik des geplanten Neubaus: eine massige, mit Blindfenstern durchsetzte Fassade, die sich k\u00fcnftig entlang dreier Stra\u00dfen ziehen wird. Koopmann hat da eine Idee, die beim zuk\u00fcnftigen Bauherren viel Anklang gefunden habe: Kunst soll die Fassadenfl\u00e4chen auflockern; Kontakte zur Kunsthochschule im benachbarten Ottersberg best\u00fcnden schon.<\/p>\n<p>Und so k\u00f6nnte das Prozedere folgenderma\u00dfen verlaufen: Anfang M\u00e4rz k\u00f6nnte der Stadtentwicklungsausschuss einen ge\u00e4nderten Auslegungsplan beschlie\u00dfen und das Haus w\u00e4re dann auf dem Papier schon mal \u00fcberplant. Im Lauf des April erfolgt die \u00f6ffentliche Auslegung: Die B\u00fcrger k\u00f6nnen die Baupl\u00e4ne einsehen. In der Ratssitzung am 22. Juli d\u00fcrfte dann eine Beschlussfassung vorliegen, die die Parteienvertreter fragt, ob dem Abriss zugestimmt werden soll oder auch nicht. Gleichzeitig w\u00fcrde der st\u00e4dtebauliche Leitfaden ge\u00e4ndert: Das Haus w\u00fcrde dann per Beschluss seine bisherige stadtbildpr\u00e4gende Funktion verlieren; einem Abriss st\u00e4nde nun nichts mehr im Wege.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>So steht die kleine B\u00fcrgerinitiative um Klaus Volland und Petra Fischer vor keiner beneidenswerten Aufgabe: Sie muss in den n\u00e4chsten sechs Monaten unter den Bremerv\u00f6rdern wieder Geh\u00f6r finden; sie muss besonders innerhalb der Parteien Mitstreiter gewinnen. CDU und SPD haben sich bislang zur\u00fcckhaltend ge\u00e4u\u00dfert. Auch vonseiten der Bremerv\u00f6rder Gr\u00fcnen ist derzeit kein allzu ausuferndes Engagement zu erkennen; die Partei Die Linke ist in der Stadt gar nicht erst vertreten. Lediglich die allein in Bremerv\u00f6rde beheimatete Formation &#8222;Pro BRV&#8220;, die seit der Kommunalwahl 2011 mit vier Sitzen im Stadtrat vertreten ist, signalisiert Kl\u00e4rungsbedarf und bietet der B\u00fcrgerinitiative ein Forum, um ihre Einw\u00e4nde vorzutragen.<\/p>\n<p>Die gewinnen vor dem bisherigen Umgang der Stadt mit ihrem baulichen Erbe an Gewicht. Die anfangs recht lose B\u00fcrgerformation bekam klare Strukturen, als in Bremerv\u00f6rde immer mehr Altbauten verschwanden und als sich besonders im Jahr 2000 der Streit um die historische Markthalle zuspitzte: Die sollte weichen, um Parkpl\u00e4tze zu schaffen. Heftige Proteste waren die Folge. Die B\u00fcrger standen schon bereit, um mit ihren Autos die Halle zu blockieren, als ihnen der B\u00fcrgermeister versprach, dass so schnell nichts passieren werde. Doch als sie am n\u00e4chsten Morgen aus ihren Betten stiegen, hatte der Abrissbagger ganze Arbeit getan. 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