{"id":363,"date":"2022-04-13T15:18:29","date_gmt":"2022-04-13T13:18:29","guid":{"rendered":"https:\/\/keilbuero.de\/?p=363"},"modified":"2024-12-26T14:30:29","modified_gmt":"2024-12-26T12:30:29","slug":"zum-heldentum-gezwungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/keilbuero.de\/?p=363","title":{"rendered":"Zum Heldentum gezwungen"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Seit wie vielen Tagen ist er jetzt \u2013 der Krieg? Was sehe ich, was meine ich dazu zu denken und was f\u00e4llt mir ein? Teil 2 meines Journals, das fortgesetzt wird und das privat ist und eben nicht, weil der Krieg nie eine Privatsache ist.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Und wieder ist ein Tag geschafft, ich lese noch ein paar Seiten, der Wecker ist gestellt, ich nehme ein letztes Mal f\u00fcr heute mein Handy, scrolle mich durch die Nachrichten, auf die ich doch eben schon geschaut habe, ich klicke den Link f\u00fcr die Webcam an, die bewegungslos auf das n\u00e4chtliche Kiew schaut und das so ruhig daliegt, und ich hoffe so sehr, dass es so bleibt, wenn ich schlafe und wenn ich wieder wach bin.<\/p>\n\n\n\n<p>Am n\u00e4chsten Morgen wird Konstantin Wecker im Radio interviewt, er geh\u00f6rt zu den 600 Erst-Unterzeichnern eines Appells, der sich gegen die Aufr\u00fcstung der Bundeswehr wendet, dabei geht es nach meiner Einsch\u00e4tzung eher um die Ausr\u00fcstung dieser, wenn man wei\u00df, dass etwa die H\u00e4lfte der U-Boote der Bundesmarine besser nicht abtauchen sollte. Wecker ist gerade auf Tournee, er beginnt jeden Auftritt mit einem Friedenslied, danach tr\u00e4gt er sein Friedensmanifest vor. Meine Frau mahlt Kaffee, die Maschine ist sehr laut, ich verpasse den Anfang, die erste Frage, die erste Antwort. Aber schnell wird klar, dass sich der Moderator und Wecker alles andere als einig sind: Wecker beharrt auf die Kraft und Bedeutung der Friedensbewegung, er will dem Pazifismus keinesfalls abschw\u00f6ren, der Moderator fragt nach, was die Menschen in der Kellern der zerbombten Stadt Mariupol davon haben. Wecker wird laut und grob, herrscht den Moderator an, dass ihm diese Leute schon immer gefallen haben, die andere in den Krieg schicken, aber selbst warm und trocken etwa in einem Rundfunkstudio hocken. Der Moderator kontert: Ob sich Wecker in Moskau mit einem Plakat gegen den Krieg auf die Stra\u00dfe stellen w\u00fcrde, will er wissen. \u201eHatte der Wecker Corona, der klingt so anders?\u201c, fragt meine Frau dazwischen. Das Interview geht bereits seinem Ende entgegen, und der Moderator will abschlie\u00dfend h\u00f6ren, was Wecker denn nun tut, also konkret, und Wecker antwortet er: \u201eIch mache etwas, das derzeit nur wenige machen, ich gebe dem Frieden eine Stimme.\u201c<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Ich bin mit dem Russen aufgewachsen. Wartet mal ab, wenn der Russe kommt; eines Tages macht sich der Russe wieder auf den Weg, das waren S\u00e4tze, die ich als Kind immer wieder h\u00f6rte, wenn die Erwachsenen Sonntagsnachmittags zusammen hockten und von Kaffee langsam auf Bier, Weinbrand und Lik\u00f6r wechselten. Von der Nachbarin, die der Russe erschossen habe, kurz vor Kriegsende, sprachen sie, die Nachbarin habe etwas verstecken wollen, habe es nicht rausr\u00fccken wollen, habe sich gewehrt, habe um sich geschlagen, da habe der Russe eben geschossen, einfach so.<br>Und ich sa\u00df da und h\u00f6rte zu und hoffte, dass sie mich nicht bemerkten, dass sie mich \u00fcbersahen, dass sie weiterredeten, sich etwas erz\u00e4hlten, irgendetwas bedrohliches, dass sich intensiv anf\u00fchlte. Wie die Geschichte von dem russischen Soldaten, der auf dem Dresdner Altmarkt steht, einen Sack geschultert, gef\u00fcllt mit Weckern, die er den Deutschen abgenommen hat, von Wohnung zu Wohnung ist er gezogen und schleppt sie nun mit sich, die Wecker, seine ganz pers\u00f6nliche Kriegsbeute. Er steht also da, der Russe, mit seinem Sack, auf dem Altmarkt, es ist gleich Mittag, es schl\u00e4gt 12 Uhr, alle Wecker fangen mit einem Mal an zu klingeln, laut und schrill, und der Russe erschreckt sich, er nimmt seine Maschinenpistole und schie\u00dft in den l\u00e4rmenden Sack, so war also der Russe, ziemlich d\u00fcmmlich, auch ein wenig lustig, aber am Ende eben brutal, das erz\u00e4hlen sich die Erwachsenen und schenken nach, f\u00fcllen die Gl\u00e4ser, der Bierschaum kriecht einer Schnecke gleich langsam am Glas herunter, und ich fragte als Kind nie nach, wieso denn alle Wecker genau um 12 Uhr Mittag klingelten, dass fiel mir erst sp\u00e4ter auf, dass das ja gar keinen Sinn ergibt und somit nicht sein kann, da war ich allerdings kein Kind mehr.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine neue Webcam findet sich, sie zeigt den Platz vor dem Rathaus der Kleinstadt Brody, die ich im Laufe dieses Sommers besuchen wollte. Und ich schaue leicht von oben herab auf das Pflaster, das am Ende vom Frost aufgerissen und nur notd\u00fcrftig geflickt ist, schaue auf das grell gr\u00fcn angestrichene Einkaufszentrum im Hintergrund. Am Nachmittag regnet es und die wenigen Leute, die unterwegs ist, eilen schnell \u00fcber den Platz, sie wollen nicht allzu nass werden, so wirkt es. Am n\u00e4chsten Morgen aber, es ist Sonntag, scheint grell und hell die Fr\u00fchlingssonne, es muss dennoch kalt sein, die Leute haben die Kapuzen ihrer Jacken hochgezogen oder sie tragen M\u00fctzen. Tauben lassen sich von den D\u00e4chern fallen und trinken aus den schmaler werdenden Pf\u00fctzen. Ein Mann beugt sich zu einem Kind herunter und zeigt ihm etwas. Immer wieder betreten Passanten ein Haus, \u00fcber dem die ukrainische Flagge weht, sie verlassen das Haus bald wieder, zumeist mit einer wei\u00dfen T\u00fcte in der Hand, vielleicht ist hier eine B\u00e4ckerei. Ein n\u00e4chstes Kind l\u00e4uft \u00fcber den Platz und jagt die Tauben, die vor ihm herfliegen. Und abends ist kein Mensch mehr auf den Stra\u00dfen, es scheint wieder zu regnen, kleine Punkte flirren durch die Luft , ob ich hier eines Tages dennoch stehe werde, auch um die Kamera zu entdecken, die dann auf mich gerichtet ist, wer wei\u00df das schon.<br>Denn aus Brody stammt Gabriel Goldenberg, der Vater von Henriette Goldenberg, der Wiener Malerin, zu deren Lebensspuren ich seit einiger Zeit recherchiere und \u00fcber die ich ein Buch zu schreiben plane. In Brody wohnten damals, als Gabriel Goldenberg 1845 geboren wurde, dann allm\u00e4hlich heranwuchs, \u00fcberwiegend Juden, Brody war im Prinzip eine j\u00fcdische Stadt. Die Gabriel Goldenberg vermutlich um 1870 in Richtung Wien verlie\u00df, da geh\u00f6rt Brody zu Galizien, einem so genannten Kronenland, noch bis 1918 verlief ein wenig n\u00f6rdlich die Grenze zwischen Russland und \u00d6sterreich-Ungarn, dann kommt das Gebiet kurzzeitig zur Westukrainischen Volksrepublik und wird nach deren schnellem Ende im Sommer 1919 Polen zugeschlagen und aus Russland ist die Sowjetunion geworden, bis wieder alles anders wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Meine, wie gesagt, Lieblingskolumnistin Jagoda Marini\u0107 schreibt in ihrer Kolumne: \u201eIch bin voller Bewunderung f\u00fcr Selenskijs Mut, seine Integrit\u00e4t und Unbestechlichkeit, doch gleichzeitig schmerzt mich diese Wiederbelebung der traditionellen Rollenbilder.\u201c Sie schreibt: \u201eWolodomyr Selenskijs besonnene Mischung aus unbedingtem Verteidigungswillen, Demut und seiner rhetorischen Begabung, die Gewalt zu erkl\u00e4ren, wird die k\u00fcnftige Vorstellung von M\u00e4nnlichkeit ma\u00dfgeblich pr\u00e4gen.\u201c Und ich rei\u00dfe die Seite aus und lege sie auf den Stapel, lege sie zu all den Artikeln, die ich aufhebe, ich m\u00fcsste mal wieder aufr\u00e4umen, aber das hat ja jetzt Zeit.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich steige auf meinen B\u00fcrostuhl. Ich sollte das nicht machen, der Stuhl hat Rollen, die Sitzfl\u00e4che dreht sich und l\u00e4sst sich kippen, der Stuhl ist also per se so gar nicht daf\u00fcr gedacht, dass man sich auf ihn stellt, mit seinem ganzen K\u00f6rpergewicht. Doch die Klappleiter steht im Schlafzimmer, ganz in der Ecke, sie passt doch gerade hin, ein hoher Korb steht davor und ich m\u00fcsste den Korb zur Seite schieben, die Klappleiter aus ihrer Ecke wuchten, ich m\u00fcsste die Klappleiter ins Arbeitszimmer bringen, meinen B\u00fcrostuhl vorher hinter dem Schreibtisch hervorheben, dann die Klappleiter aufstellen und anschlie\u00dfend m\u00fcsste ich sie wieder zur\u00fcckbringen und den Korb zur\u00fcckstellen, und ich will doch nur kurz ein Buch aus der obersten Regalreihe holen, wo die Kunstkataloge und die Bildb\u00e4nde stehen, so auch \u201eBilder einer Diktatur\u201c, von Gerhard Paul, Bildererforscher und Medienexperte und langj\u00e4hriger Professor aus Flensburg.<br>Gerhard Paul l\u00e4sst in diesem Buch seine visuellen Forschungen zur Bildergeschichte der NS-Zeit exemplarisch Revue passieren, es ist eine Art Best-off. Ein Kapitel erz\u00e4hlt dabei von der Bilderpolitik rund um die Milit\u00e4rparade am 22. September 1939 in der Stadt Brest-Litowsk, mit der die deutsche Wehrmacht die Stadt der Roten Armee \u00fcbergab und zugleich abzog. Auch wenn die Parade, die um 16 Uhr stattfand, nicht so pomp\u00f6s inszeniert wurde, wie anfangs geplant, so sieht man doch auf den Bildern des Kriegsfotografen Gutjahr, wie die Gener\u00e4le Semjon Moissejewitsch Kriwoschein und Heinz Guderian einander die H\u00e4nde sch\u00fctteln (beide sprachen Franz\u00f6sisch miteinander, so ist es \u00fcberliefert; beide werden den Krieg \u00fcberleben, beide werden danach Jahre \u00fcber ihren Lebenserinnerungen sitzen und sie zu Papier bringen, wie man so sagt) und wie deutsche Lkws und Gesch\u00fctze und sowjetische T-26 Panzer vorbei fahren;, so ist es zu sehen, auf diesen Bildern, die kaum Eingang in unsere Geschichteb\u00fccher gefunden h\u00e4tten, wie Paul bemerkt, der einleitend notiert: \u201eEs gibt Bilder, die \u2013 einmal gemacht und publiziert \u2013 aus dem kollektiven Bildged\u00e4chtnis verschwinden, f\u00fcr dieses nicht mehr pr\u00e4sent sind, entweder weil nicht (mehr) zu den nationalen Meistererz\u00e4hlungen passen, oder weil sie irritieren, provozieren oder einfach nur unangenehm sind: picturae non gratae.\u201c Und er bekennt, dass er selbst lange diesen Bilder nicht die n\u00f6tige Aufmerksamkeit gewidmet hat, \u201enicht zuletzt deshalb, weil sie lange Zeit nicht in mein Geschichtsbild passten.\u201c.<br>Warum es auch wichtig ist, sich mit diesen Bildern und \u00fcberhaupt mit dem so genannten Hitler-Stalin-Pakt zu besch\u00e4ftigen: Die damalige politische F\u00fchrung der Sowjetunion rechtfertigte ihren Anteil am gemeinsamen, gewaltsamen \u00dcberfall auf Polen mit ihrer Pflicht des Schutzes der wei\u00dfrussischen und der ukrainischen Minderheit in Ostpolen.<\/p>\n\n\n\n<p>Selbst h\u00f6re ich wieder Arvo P\u00e4rt in diesen Tagen und Henryk Mikolaj G\u00f3recki; ansonsten oft Dua Lipa, schaue ihre sehr tanzbaren Videos, \u201eLast Dance\u201c, \u201eOne Kiss\u201c und vor allem \u201eWe\u2019re Good\u201c, ein Song, wo am Ende ein Hummer gerettet wird und \u00fcber der sinkenden Titanic genau mit dem letzten Takt eine Feuerwerksrakete z\u00fcndet.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Web-Cam auf den Platz in Brody ist auf Bitten der Beh\u00f6rden abgeschaltet worden und also offline. Ich klicke mich durchs Netz: Im Kloster der Heiligen Dreifaltigkeit zu Kiew ist der Priester zu sehen, der sich auf den kommenden Gottesdienst vorbereitet; der neue Kerzen aufsteckt, der das Deckchen auf dem Altar zurechtr\u00fcckt und der sich dann wieder in einen Nebenraum zur\u00fcckzieht und verschwunden bleibt. Auf den Stra\u00dfen rund um den Maidan sieht man jetzt die Absperrungen, die Panzerigel, die in keinem Bericht mehr fehlen und um die die Autos schwungvoll herumfahren, als sei es seit langem Alltag. Dann wechselt pl\u00f6tzlich das Bild, und ich schaue in eine Turnhalle, wie ich an den Sprossenw\u00e4nde im Hintergrund erkenne. Betten sind aufgestellt, mit hellblauen Decken bezogen. Kinder laufen durchs Bild, Frauen sitzen auf den Betten, sie schauen aufs Handy, sie legen Kleidung zusammen, sie rufen ihre Kinder, sprechen mit ihnen, dann laufen die Kinder wieder durcheinander. Ein Soldat geht langsam mit einem Klemmbrett durch die Reihen und notiert sich etwas. Eine Frau k\u00e4mmt sich die Haare, eine Frau stillt einen S\u00e4ugling. Ich ziehe das Bild wieder klein, schreibe weiter, beruhigt.<\/p>\n\n\n\n<p>Und dann in D\u00e4nemark. Eine Woche Urlaub, der Krieg bleibt nah. Der Fernseher ist an einem Schwenkarm befestigt, man kann sowohl vom Sofa wie vom Esstisch aus hinschauen. In der n\u00e4chsten kleinen Kleinstadt Ringk\u00f8bing weht die ukrainischen Flagge neben der d\u00e4nischen, und wenn man wei\u00df, dass es uns deutschen Touristen strikt verboten ist, den Dannebrog zu hissen, der meist in irgendeiner Abseite zusammengefaltet liegt, dort, wo auch der Grill steht, der Staubsauger f\u00fcr die Endreinigung, wei\u00df man, dass es keine Selbstverst\u00e4ndlichkeit ist. An manchen Tagen sitze ich noch am sp\u00e4ten Vormittag im Schlafanzug vor dem Laptop und klicke mich durch die Nachrichten. Ich lese mich durch die Zeitungsstapel, die wir von zu Hause mitgebracht haben, die langen Strecken, das ZEIT-Dossier. Die S\u00fc\u00dfwarenbranche warnt vor leeren Regalen, die Energiewirtschaft vor dem Zusammenbruch der Lieferketten, wichtige Menschen aus der Kulturbranche diskutieren, ob man Anna Netrebko nun ausladen oder einladen sollte oder jeweils gerade nicht. Und immer wieder zwischendurch die Erkl\u00e4rungen unserer Politiker, warum das alles so gekommen ist, leider, leider. Besonders bizarr empfinde ich Thomas de Maiz\u00ecere, mehrfacher Minister, auch Bundesminister der Verteidigung: Gut gelaunt verk\u00fcndet er, dass die Regierungen, denen er angeh\u00f6rt habe, alles richtig gemacht h\u00e4tten, man habe nur Putin falsch eingesch\u00e4tzt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Bilder aus Butscha. Ein Bericht im Heute-Journal, eine Frau erz\u00e4hlt, wie ihr Sohn morgens mit dem Fahrrad zu seiner Arbeit, in die Auto-Werkstatt fahren wollte. Wie er von russischen Soldaten angehalten und erschossen wurde. Wie sie seinen Leichnam mit der Schubkarre in ihren Garten holte und dort beerdigte, ihren Sohn, ihren eigenen Sohn. Sie f\u00fchrt den Reporter und seinen Kameramann durch ihr verw\u00fcstetes Haus nach hinten in den Garten, sie zeigt auf einen flachen H\u00fcgel, ein Teppich bedeckt diesen, darauf eine h\u00f6lzerne Euro-Palette. \u201eWie soll ich denn jetzt weiterleben?\u201c, fragt sie weinend in die Kamera. Moderator Christian Sievers braucht einige Augenblicke, um die Fassung wiederzugewinnen. Er h\u00e4lt sein Manuskript in der Hand, zu einer Rolle gedreht: \u201eWie reagieren \u2013 auf all das?\u201c, sagt er und schaut mich an.<\/p>\n\n\n\n<p>Meine Lieblingskolumnistin schreibt vorerst abschlie\u00dfend: \u201eSo zwingt Wladimir Putin die M\u00e4nner von heute zur\u00fcck in eine Schablone von gestern, weil sie alleine k\u00e4mpfen m\u00fcssen. Wir feiern diese M\u00e4nner f\u00fcr ihren Mut, doch sie werden in ein Heldentum gezwungen. Ihre k\u00e4mpferische St\u00e4rke ist leider auch Zeichen unserer Schw\u00e4che.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Ich hole mir den Laptop ins Bett, logge mich ins W-Lan ein und schaue in der ZDF-Mediathek noch mal den Bericht \u00fcber die Frau aus Butscha, deren Sohn man erschossen hat: Sie hei\u00dft Irina Kostenko und ist 45 Jahre alt.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Nacht verst\u00e4rkt sich der Sturm, so wie es angek\u00fcndigt war. Das Haus \u00e4chzt, die Balken knarren, in B\u00f6en fegt der Regen gegen das Fenster. Ich schlie\u00dfe die Augen und es ist so schwarz, dass ich kleine, blitzende Sterne sehe, bis ich nichts mehr wei\u00df.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit wie vielen Tagen ist er jetzt \u2013 der Krieg? Was sehe ich, was meine ich dazu zu denken und was f\u00e4llt mir ein? Teil 2 meines Journals, das fortgesetzt wird und das privat ist und eben nicht, weil der Krieg nie eine Privatsache ist. 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